Das Medizinstudium ist hart, keine Frage. Und Bonn macht da mit Sicherheit keine Ausnahme; eher im Gegenteil, es wird behauptet, die Vorklinik sei in Bonn unangenehmer als anderswo...
Aber hart bedeutet noch lange nicht unschaffbar, und ich habe mir mit diesen Seiten zum Ziel gesetzt, die Odyssee zum Physikum ein wenig angenehmer zu machen. Natürlich kann ich an Praktika und Prüfungen nichts ändern, aber vielleicht helfen ja meine Erfahrungen, das Ganze erträglicher zu machen. Ich für meinen Teil finde es jedenfalls immer angenehmer zu wissen, was mich erwartet.
Es sind nicht nur die großen Prüfungen, sondern vor allem auch die kleinen Dinge, die einem im Medizinstudium das Leben schwer machen. Allem voran die Chemie, die die erste große Hürde für den frischgebackenen Bonner Mediziner darstellt. Für die meisten, die frisch von der Schule kommen, ist das Tempo der Vorlesungen erstmal etwas, sagen wir, gewöhnungsbedürftig. Und die Perspektive, dass 35% direkt in der ersten Klausur durchfallen, ist keine tolle. Man muss sich eben erstmal daran gewöhnen, dass es auch Nachklausuren gibt - in Bonn darf man zu jeder Klausur eine Nachklausur schreiben, und jeden Kurs zweimal wiederholen; insgesamt hat man also sechs Anläufe für jede Prüfung. Unterm Strich sieht die Bilanz so schon wieder etwas besser aus - wenn auch noch bei Weitem nicht toll.
Zu den "kleinen Dingen", die einen ziemlich frustrieren können, gehören vor allem wenig motivierte Dozenten und Mitarbeiter der Universität. Auch wenn unsere Politiker behaupten, die Uni seie seit der Einführung der Studiengebühren ein Dienstleister und deshalb würde alles besser, habe ich davon bisher nicht viel mitbekommen. Dozenten, die gar keinen Hehl daraus machen, dass sie auf das Seminar was sie halten sollen noch viel weniger Lust haben als die Studenten, können einem die Stimmung ganz schön versauen. Generell gibt es meiner Meinung nach nichts schlimmeres als Pflichtveranstaltungen, die einfach nur so schlecht sind, dass man hinterher rausgeht und sich ärgert, in der Zeit nichts sinnvolleres getan zu haben - in den Himmel gucken oder Kieselsteinchen zählen zum Beispiel.
Aber auch andere Mitarbeiter der Uni können einen Studenten ganz schön in Rage bringen; da wäre zum Beispiel die Sekretärin, die es im dritten Anlauf nicht schafft den Geburtsort auf einem Schein richtig zu schreiben (und wenn der nicht stimmt, akzeptiert das Landesprüfungsamt den Schein leider nicht). Oder der Dekan, der es nicht innerhalb einer Woche schafft, ein paar Scheine gegenzuzeichnen, sodass man umsonst auf den Venusberg fährt und wieder zwei Stunden für nichts im Bus verbracht hat - obwohl man extra einen Termin vereinbart hatte.
Und schließlich bleibt da immer noch die drückende Frage "Wofür lerne ich den ganzen Scheiß hier eigentlich?". Denn auch wenn das Studium mit der neuen Approbationsordnung der Sage nach praxisbezogener sein soll, ist davon in der Realität oft nicht viel zu spüren. Stumpfes Auswendiglernen von Strukturformeln und Reaktionsmechanismen gehören dazu; und seien wir mal ehrlich, sollte das irgendwann mal einen Patienten interessieren, ist dieser ein klarer Fall für die geschlossene Psychiatrie.
Aber es gibt auch Lichtblicke - Dozenten, die wirklich und ehrlich um ihre Studenten bemüht sind, großartige Vorlesungen halten und sogar in ihrer Freizeit zur Verfügung stehen; Mitarbeiter, die die Regeln (oder die Öffnungszeiten) mal nicht auf den Punkt genau befolgen, um einem Studenten zu helfen; Praktika, die nicht nur interessant aufgebaut sind sondern deren Inhalt auch eine klinische Bedeutung hat; und Prüfer, die fair genug sind, Fragen in Klausuren aus der Wertung zu nehmen, wenn sie nicht eindeutig beantwortbar waren.
Außerdem kann man auch neben der Uni an sich noch viele schöne Dinge finden, um die Motivation aufrechtzuerhalten. Sei es die Freizeit mit Kommilitonen, seien es die Testatparties, seien es gute Praktika (auch ein Pflegepraktikum kann Spaß machen), oder sei es die Arbeit in der Fachschaft - die übrigens neue Gesichter immer gerne Willkommen heißt und ein paar Hände mehr immer gebrauchen kann(Achtung, Zaunpfahl!).
Oder seien es die studiumsbezogenen Aktivitäten außerhalb der Uni - allen voran das Teddybärhospital, das einmal im Jahr stattfindet und bei dem man fast wie ein echter Arzt kleine Patienten behandeln kann. Oder die Arbeit in einer der Medizinstudierendenorganisationen (tolles Wort, oder?): die Mitgliederversammlungen sowohl der bvmd als auch der EMSA sind eigentlich immer recht lustig - Fotos zum selber-überzeugen gibt's in den Gallerien zur Genüge. Außerdem bietet die Arbeit in beiden Organisationen tolle Möglichkeiten, selbst Veränderung zu bewirken - sei es in der medizinischen Ausbildung, der Krankheitsprävention oder in ethischen Debatten. Und als absolute Krönung könnte man ins Auge fassen, mal auf einer IFMSA GA dabei zu sein - die letzte war in Mexico, die nächste ist auf Jamaica...
Das alles und viel mehr möchte ich auf diesen Seiten vorstellen und somit hoffentlich dem ein oder anderen zu einem angenehmeren Studium verhelfen; nicht zuletzt, weil ich gedenke nicht nur meine Erinnerungen, sondern auch meine Aufzeichnungen mit euch zu teilen. Und ein Protokoll zu einer Veranstaltung anzufertigen, die sich von der im Vorjahr in nichts unterscheidet ist gar nicht so schwer, wenn man ein Protokoll aus dem Vorjahr als Vorlage hat... ;)



