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So löblich der regelmäßige Besuch der Vorlesungen auch ist, so wenig ersetzt er leider ein gutes Lehrbuch. Andersrum aber ist ein gutes Lehrbuch deutlich besser zur Klausurvorbereitung geeignet als manche Vorlesung. Da Medizin aber ein großes Fach mit vielen Studenten ist, ist die Auswahl an Büchern mindestens ebenso groß. Bevor du losläufst und loskaufst, hier einige Tipps zum Bücherkauf.
[Eine Anmerkung zu Beginn: Wie alles auf dieser Homepage gibt auch dieser Text nur meine persönliche Meinung wieder; ich erhebe keinerlei Anspruch auf Objektivität oder Vollständigkeit.]
Lektion eins
oder "Es ist dein Buch"
Das Wichtigste vorweg: es gibt kein perfektes Buch, mit dem alle Studenten gleichermaßen zurechtkommen. Jeder stellt unterschiedliche Anforderungen an sein Buch, sodass alle noch so guten Tipps die eigene Entscheidung nicht ersetzen können - dass ein anderer das Buch gut fand, heißt noch lange nicht, dass es auch dir gefällt.
Also, Augen auf beim Eierlauf und nicht blind kaufen, sondern das Buch vorher mal aufschlagen (im Buchhandel oder - noch besser - aus der Bib ausleihen und mal ein ganzes Kapitel lesen): Gefällt dir das Layout? Kannst du mit den Grafiken was anfangen? Spricht der Schreibstil dich an?
Ein Buch kann fachlich klasse sein und bringt dir trotzdem nichts, wenn du es nur widerstrebend aufschlägst. Andererseits bringt dir ein Buch, das vielleicht nicht restlos alle Details enthält mehr, weil du effektiver damit lernen kannst. Denn letztendlich steht in jedem Buch zu einem Fach ungefähr das Gleiche drin - der Unterschied besteht in der Aufarbeitung.
Ich persönlich kann es zum Beispiel nicht haben, wenn ich beim Aufschlagen eines Buches ob der vielen Farben das Gefühl habe, stark augenkrebs-gefährdet zu sein. Anderen hingegen mag diese farbliche Aufbereitung das Lernen erleichtern; so muss jeder seinen eigenen Stil finden.
Lektion zwei
oder "nice to know"
Du bist Student, nicht Professor. Dein Anspruch soll es nicht sein, immer das schwerste Buch mit den meisten Fakten zu kaufen (auch wenn sich das natürlich toll im Regal macht) sondern ein Buch, mit dem du die Prüfung bestehen kannst. Solltest du - zum Beispiel für ein Referat - noch detailliertere Informationen benötigen als sie dein Buch hergibt, kannst du dir immer noch das Standardwerk aus der Bib ausleihen (frühzeitig planen - oft sind Bücher gerade vergriffen!) oder mal bei deinen Kommilitionen fragen; jedes Jahr gibt es wieder einige, die sich erst den Stryer für Biochemie kaufen und dann merken, dass sie es gar nicht schaffen, den Wälzer auch zu lesen.
In diesem Zusammenhang ist auch Vorsicht vor den Empfehlungen von Professoren geboten - oft geben diese zu Beginn ihrer Vorlesungsreihe Literaturvorschläge an und weisen auf ihren persönlichen Favoriten hin. Viele versäumen es aber, zwischen sich als Dozenten und Forschern auf der einen und dir als Studenten auf der anderen Seite zu differenzieren. Viele Informationen die ein Professor für wichtig erachten mag, fallen für die Studenten in die Kategorie "nice to know" - interessant, aber letztlich irrelevant.
Die meisten Bücher, auch Kurzlehrbücher, sind ohnehin nach dem GK, dem Gegenstandskatalog der Approbationsordnung, aufgebaut; so ist sichergestellt, dass sie die wesentlichen Informationen enthalten.
Wenn du aber feststellst, dass ein Wälzer genau deinen Geschmack trifft sollte dich die Dicke nicht davon abhalten, ihn auch zu kaufen. Ein dir angenehmes dickes Buch hast du in der Regel viel schneller durchgearbeitet als ein dünnes Buch, das du nicht magst (--> Lektion eins).
Lektion drei
oder "Im Land der Möglichkeiten"
Natürlich ist es verlockend, in der anfänglichen "Ich hab's geschafft, ich bin Mediziner"-Euphorie in den nächsten Buchladen zu laufen oder ins Internet zu gehen und sich direkt einzudecken. Sinnvoll ist das aber in der Regel nicht.
Es stellt keiner den Anspruch an dich, am ersten Tag perfekt ausgerüstet und vorbereitet zu erscheinen; ganz im Gegenteil, in der ersten Woche hat bisher auch der vermeintlich strengste Prüfer noch immer ein Auge (bezeiten auch beide) zugedrückt. Daher: Ruhe bewahren. Mach dich erstmal grob mit dem Fach vertraut, hör dich in den höheren Semestern um (oder schau auf dieser Seite nach), was andere vor dir gemacht haben.
Und selbst wenn du all das schon getan hast, ist immer noch Abwarten angesagt - und zwar bis zum Bücherflohmarkt. Diese ebenso alte wie nützliche Einrichtung wird in Bonn schon seit Medizinergedenken von der Fachschaft Medizin Vorklinik zu Beginn jedes Semesters - in der Regel in der zweiten Semesterwoche - organisiert und bietet Studenten, die einige Fächer schon hinter sich haben die Möglichkeit, ihre "alten" Bücher zu verkaufen - und damit den Neuen die Möglichkeit, praxisbewährte (manche sagen "gebrauchte"...) Bücher wesentlich günstiger als im regulären Buchhandel zu erwerben. Auch der Umstand, dass es ein Buch mittlerweile in einer neueren Auflage gibt sollte dich nicht zu sehr abschrecken - die Grundlagen haben sich in den meisten Fächern seit vielen Jahren nicht verändert. Ich persönlich bevorzuge zum Teil alte Auflagen sogar, weil diese nicht so schrecklich bunt sind...
Wichtig: Komm früh, die besten Angebote sind innerhalb der ersten fünfzehn Minuten weg. Und: Informier dich vorher! Sowohl darüber, welche Bücher du kaufen möchtest als auch darüber, in welcher Auflage diese Bücher mittlerweile im Buchhandel erhältlich sind und was sie dort kosten. Es gibt immer wieder den Fall, dass eine alte Auflage als Restposten im Buchhandel günstiger angeboten wird als gebraucht auf dem Flohmarkt - darüber ärgert man sich später unnötig.
Erst dann, wenn der Bücherflohmarkt vorbei ist, darfst du losrennen oder -klicken und dir beschaffen, was du nicht bekommen hast oder du unbedingt neu kaufen wolltest. Aber wo..? Natürlich kannst du jedes Buch in jeder Buchhandlung kaufen, also auch medizinische Fachbücher in einem x-beliebigen Buchladen auf dem Land. Aber auch hier gilt wieder: sinnvoll ist das nicht. Denn es gibt bessere Möglichkeiten.
Erstens: Für mich immer noch den "Königsweg" stellt der Besuch meiner Lieblings-Fachbuchhandlung (nein, hierfür bekomme ich kein Geld *g*) und der von Bonner Medizinern wohl meistgenutzten Buchhandlung dar - "Bücher James", genauer "Fachbuchhandlung James Helmut Zowe" in der Königsstraße in Poppelsdorf. Die Vorteile dieses schönen Ladens sind vielfältig: Er ist nicht weit weg von der Anatomie und daher während der gesamten Vorklink bequem zu Fuß zu erreichen; man trifft immer irgendeinen Kommilitonen und auch höhere Semester, die schon mal hilfreiche Tipps geben; es sind zu jedem Fach alle (mir bekannten) wichtigen Bücher vorrätig, inklusive eines Ansichtsexemplars - und noch viele mehr; die Verkäufer haben Ahnung von dem, was sie verkaufen; und zu guter Letzt gibt es immer ein paar interessante Schnäppchen - Restposten, Mängelexemplare und ähnliches. Auch möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass Bücher James die Bonner Mediziner in vielerlei Form unterstützt, so zum Beispiel durch Verlosungen von Fachbüchern oder Anzeigen im Ersti-Info Heft, das alle Erstis von der Fachschaft kostenlos ausgehändigt bekommen und das einen ähnlichen Zweck vefolgt wie diese Seite - nämlich dir den Einstieg in Bonn zu erleichtern.
Zweitens: Das Internet. Warum laufen und schleppen (was bei einigen Büchern wirklich ein Argument ist! Schon mal nen Prometheus mit dir rumgetragen?), wenn das Buch auch für den gleichen Preis ganz bequem zu dir kommt? Auf Seiten wie Amazon sind fast immer alle Bücher vorrätig und innerhalb von spätestens zwei Tagen bei dir; dank SearchInside (ebenfalls auf amazon.de) kannst du in die meisten Bücher auch vor dem Kauf bequem und in Ruhe vom Schreibtisch aus mal reinlesen. Außerdem profitierst du von den Kundenrezensionen, die allerdings auch mit Vorsicht zu genießen sind, da hier natürlich Studenten aus allen deutschen Unis ihre Bücher kaufen und Rezensionen schreiben; was für Marburg gilt, mag in Bonn ganz anders aussehen.
Und wenn du magst, kannst du auf diesem Wege auch mir etwas Gutes tun: kauf dein Buch einfach über eines der Amazon-Angebote, die neben den Bücherempfehlungen auf dieser Seite eingebettet sind. Das erspart dir das Suchen und beteiligt mich zu einem kleinen Prozentsatz an dem Gewinn, den Amazon an dir macht. Auf diese Weise versuche ich, einen Teil der Kosten dieser Seite (Domain, Server, Traffic...) aufzufangen. Keine Sorge, Gewinn mache ich damit nicht - dafür müssten schon ziemlich viele Studenten ihre Bücher über diese Seite kaufen, wovon ich nicht ausgehe ;)
Drittens: In Bonn führen die meisten größeren Buchhandlungen eine mehr oder minder große Auswahl an medizinischen Fachbüchern. So zum Beispiel Bouvier (=Thalia) in der Innenstadt; viele Bücher sind hier auch vorrätig. Allerdings haben die Verkäufer selten Ahnung von den Büchern, die sie verkaufen (wie auch - bei der Menge) und Ansichtsexemplare gibt es auch nicht immer. Aber wenn man sowieso gerade in der Stadt ist und genau weiß, was man möchte ist auch das eine Möglichkeit.



