Die Chemie, besser gesagt das Praktikum "Chemie für Mediziner" und die dazugehörigen Klausuren, sind der Stoff, aus dem die Alpträume der Bonner Erstis gemacht sind. Denn dieses Fach gehört nicht nur zu den ersten Veranstaltungen überhaupt, die der angehende Arzt in seinem Studium besucht; es stellt auch die erste große Hürde in der Bonner Vorklinik dar.
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Das Praktikum "Chemie für Mediziner" findet im Labor des Instituts für organische Chemie statt. Dieses liegt (Überraschung!) auf dem Gelände der chemischen Institute in Bonn-Endenich, nur ca. 10-15 Gehminuten von der Nußallee entfernt. Ungefähr auf halbem Wege zwischen Anatomie und chemischen Instituten befindet sich der Knauber, eines der "Wahrzeichen" der Stadt Bonn - ein Bau-, Garten- und Hobbymarkt. Außerdem befinden sich die chemischen Institute praktischerweise direkt auf dem, beziehungsweise am Bonner Straßenstrich. Wem also nach dem Praktikum nach etwas körperlicher Ertüchtigung ist, der braucht gar nicht weit laufen...
Das Praktikum selbst lässt sich nicht eindeutig als gut oder schlecht, interessant oder langweilig beschreiben. Einige Teile des Praktikums sind sicherlich gut gestaltet und auch für Mediziner interessant, so zum Beispiel die Herstellung von Acetylsalicylsäure (besser bekannt als Aspirin). Andere Teile hingegen bestehen aus dem mehr oder weniger wahllosen Zusammenpipettieren von verschiedenen Reagenzien, immer in der Hoffnung, das Gebräu möge doch eine interessante Farbe annehmen - Nachweisreaktionen eben. Wofür ein Mediziner die braucht, ist mir bis heute schleierhaft. Alles in allem ist das Praktikum aber ganz gut durchzustehen und geht mit ein bisschen Vorbereitung auch recht locker über die Bühne. Ein Testat gibt's zu den einzelnen Praktika nicht, es ist nur die erfolgreiche Bearbeitung der Aufgaben (ein paar Mal auch einer "Hausaufgabe") Voraussetzung für die Unterschrift auf der Testatkarte. Allerdings wird der im Praktikum vermittelte Stoff natürlich in der Klausur vorausgesetzt.
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Am Praktikumstag hat jede Gruppe vor Beginn des eigentlichen Praktikums zunächst ein Seminar. Dessen Inhalt und Qualität hängt extrem stark von dem Tutor ab, der die Gruppe betreut. Der Inhalt reichte in den verschiedenen Gruppen vom einfachen Abfragen der Aufgaben im Skript über eine Vorbereitung (=gemeinsames Durchsprechen) des Praktikums bis hin zur Beantwortung von Fragen der Teilnehmer; ebenso variierte die Qualität von absolut unbrauchbar weil ahnungslos bis hin zu gut vorbereitet und extrem hilfsbereit. An dieser Stelle möchte ich besonders meinen Tutor hervorheben, der damals (lang ist's her *g*) extra Überstunden in Form von Wiederholungs- und Fragestunden vor den Klausuren für uns gemacht hat. Leider dürfte Sascha inzwischen seine Doktorarbeit fertig geschrieben haben (irgendwas mit organischen Komplexen) und nicht mehr als Tutor zur Verfügung stehen. Aber keine Sorge, es gibt auch andere gute Tutoren.
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Die Vorlesung zum Praktikum fand im WS 06/07 in einem Hörsaal auf dem Gelände der chemischen Institute statt, im darauffolgenden Wintersemester in der Anatomie; also, Augen offenhalten - entweder mal ins Vorlesungsverzeichnis schauen, oder auf der Begrüßungsveranstaltung zuhören, oder einfach der Masse nach. Das funktioniert im Studiengang Medizin fast immer.
Leider war die Vorlesung nicht gut mit dem Praktikum koordiniert, sodass Inhalte meistens erst im Praktikum und anschließend in der Vorlesung behandelt wurden; das schränkt den Wert einer Vorlesung natürlich stark ein, weil man sich den Stoff so schon vorher gezwungenermaßen selbst beigebracht hat. Inhaltlich jedoch war die Vorlesung zum Großteil ganz gut, man konnte den Dozenten auch trotz der vielen Strukturformeln gut folgen. Ob sie mehr gebracht hat als die Lektüre eines Fachbuchs sei dahingestellt; für auditive und / oder optische Lerntypen lohnt sich der Besuch in jedem Fall.
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Die Fachschaft konnte nach längeren Gesprächen mit den Chemikern diese davon überzeugen, dass die Lehre im Bereich Chemie verbesserungswürdig ist.
Insbesondere der verantwortliche Leiter des Praktikums, Dr. Möllmann, zeigte sich sehr gesprächsbereit und hat angekündigt, die Missstände in Kooperation mit der Fachschaft so weit wie möglich verbessern zu wollen. Dazu soll die bessere Koordination von Vorlesung und Praktikum ebenso wie eine Qualitätskontrolle der Seminare gehören und eine Überarbeitung des uralten Praktikumsskripts gehören.
Natürlich ist die Fachschaft hier auf Mithilfe und Feedback der Kursteilnehmer (also euch neuen Erstis!) angewiesen - wenn euch etwas auffällt, was nicht optimal läuft, sagt es also!
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In den vergangenen Semestern ist der Besuch von Nachhilfeveranstaltungen oder Repetitorien im Fach Chemie sehr häufig geworden; im WS 07/08 haben schätzungsweise die Hälfte aller Studenten an solchen Kursen teilgenommen.
Ich kann nur empfehlen, hier die Finger weg zu lassen! Die meisten dieser Kurse sind extrem überteuert (mehrere hundert Euro) und ihre Wirkung ist fragwürdig. Für viel erfolgversprechender halte ich es, einen Teil des Geldes in ein (von mir aus auch zweites) gutes Lehrbuch zu investieren und Lerngruppen mit deinen Kommilitonen zu bilden; irgendeiner ist meistens dabei, der deine Fragen beantworten kann und wenn nicht, bleibt immer noch die Möglichkeit den Professor zu fragen.
Auch von der Anschaffung überteuerter Skripte würde ich grundsätzlich abraten; geeigneter ist die Fragensammlung der Fachschaft. Hierin werden die Klausuren der letzten Jahre zusammengefasst, somit kannst du deinen Lernstand an original Prüfungsfragen kontrollieren (zumal für das kommende Semester (WS 08/09) die Fragensammlungen in enger Zusammenarbeit mit den Chemikern überarbeitet werden sollen - also wartet erstmal, was da kommt!). Sollte es dich jedoch beruhigen, dein Wissen anhand von noch mehr Fragen überprüft zu haben, ist ein zusätzliches Skript immer noch besser, weil deutlich billiger, als Nachhilfe.
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Als Standardwerk in Chemie wird üblicherweise der Zeeck gehandelt; ein Buch mit dem passenden Titel "Chemie für Mediziner", erschienen im Urban & Fischer Verlag. Direkt nach dem Zeeck wird normalerweise der Mortimer genannt, Titel "Chemie. Das Basiswissen der Chemie", erschienen im Thieme Verlag.
Beide Bücher haben ihre Vor- und Nachteile, eine eindeutige Empfehlung möchte ich an dieser Stelle nicht abgeben (auch wenn ich anmerken möchte, dass ich mit dem Zeeck recht gut gefahren bin - "knapp aber bestanden" hieß das Motto). Der Zeeck hat den Vorteil, dass er explizit für Mediziner konzipiert und geschrieben wurde, während der Mortimer als Standardlehrbuch Chemie für Nebenfächler und oft sogar für Chemiker im Grundstudium gehandelt wird. Der Mortimer soll den Bereich der Anorganik besser darstellen, während die Organik im Zeeck besser sein soll und die Komplexchemie im Mortimer wohl etwas kurz kommt - sagt man. Wirklich beurteilen kann ich das nicht, ich habe in den Mortimer nur mal reingeschaut und mich dem Zeeck anvertraut. Fest steht jedenfalls, dass man die Chemie mit jedem der beiden Bücher bestehen kann - ebenso kann man aber auch durchfallen, obwohl man beide Bücher gelesen hat. Für wen Geld eine Rolle spielt sei noch angemerkt, dass der Zeeck wesentlich billiger ist als sein Gegenstück.
Oh, und noch ein Letztes: Beide Bücher sind in einer neuen Auflage erschienen nachdem ich mich zuletzt ausführlicher mit Chemie beschäftigt habe.
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Um es mit den Worten meines Erstitutors zu sagen: Im ersten Semester machst du mit der rechten Hand Chemie, mit der linken alles Andere. Ich bin mit dieser "Weisheit" gut gefahren und habe es mittlerweile in die Klinik geschafft.
Lass dich auf keinen Fall von anderen Studenten aus deinem Semester beunruhigen. Chemie ist, genau wie das Medizinstudium als Ganzes, hart aber nicht unschaffbar. Verwechsel nicht die Tatsache, dass am Anfang noch alles ungewohnt ist mit dem Eindruck, es sei alles wahnsinnig schwer und man würde dich überfordern. Du wächst mit den Anforderungen.
Und auch besonders negative Berichte aus höheren Semestern sind mit Vorsicht zu genießen - in Psycho wirst du lernen, dass es mehrere Effekte gibt, die dazu beitragen, dass diese Berichte so negativ ausfallen (wer's nachschlagen möchte: Zeigarnick heißt der Mann).
Klar, eine Durchfallquote von 30-35% (jetzt ist es raus...) direkt im ersten Semester ist hart. Aber diese Durchfallquote hat sich im letzten Jahr trotz erhöhter Teilnahme an Nachhilfekursen nicht verbessert - es bringt also scheinbar nichts. Und auf der anderen Seite haben genug Studenten den Schein bekommen, ohne Nachhilfe zu nehmen - ich zum Beispiel ;)
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