Das Praktikum "Biologie für Mediziner" mit dazugehöriger Vorlesung findet in der Bonner Vorklinik planmäßig in den ersten beiden Semestern statt. Inhaltlich ist es deutlich relevanter für die angestrebte zukünftige Tätigkeit als Arzt als die Chemie, was dazu beiträgt, dass Biologie in Bonn eines der beliebteren Fächer ist. Was außerdem sicher nicht unwesentlich dazu beiträgt ist die Tatsache, dass Biologie deutlich einfacher gestaltet ist - gesiebt wird hier nicht.
Das Praktikum
Das Praktikum Biologie für Mediziner findet im Allgemeinen Verfügungszentrum I (AVZ I) auf der Endenicher Allee, nur ein paar Meter entfernt von der Anatomie statt. Es erstreckt sich zusammen mit der Vorlesung über zwei Semester (erstes und zweites im Regelfall) und findet daher nur alle zwei Wochen statt. Inhaltlich ist es sehr abwechslungsreich - im positiven wie im negativen Sinne. So gehört sowohl eine Übung in "Ich sehe was, was du nicht siehst" (Mikroskopieren und dann eine Zeichnung anfertigen auf der man Dinge sieht, die man beim besten Willen nicht erkennen konnte) als auch deutlich spannendere Inhalte wie die Präparation eines Katzenhais und einer Ratte dazu; ebenso die Transformation von E.Coli-Bakterien und eine PCR und Restriktionsanalyse der eigenen DNA.
Eins ist das Bio-Praktikum aber auf jeden Fall: Entspannt. Es gibt keine Testate, kein Abfragen, nichts dergleichen. Trotzdem empfiehlt es sich, zumindest oberflächlich vorbereitet zu sein und im Praktikum selbst dem Dozenten zuzuhören, da sich mit dem Praktikumsinhalt weite Teile der Klausuren beantworten lassen.
Die Vorlesung
Die Vorlesung Biologie zieht sich ebenfalls über zwei Semester hin, findet dafür aber nicht täglich statt. Qualitativ variiert sie mit den Dozenten, kann aber unterm Strich als ganz gut bezeichnet werden. Es lohnt sich, hinzugehen (allein schon, weil zwei der Dozenten echt lustig sind - "Ich weise Sie dann darauf hin, wenn ich was Wichtiges sage" meinte der eine zu Beginn seines Vorlesungsteils; der andere zeichnete sich durch wilde Gestik und eher nach Motivationsarbeit klingender Stimmmelodik aus). Außerdem bereitet sie inhaltlich teilweise ganz gut den Histologiekurs des dritten Semesters vor; allein das sollte es wert sein.
Die Klausuren
In Biologie wirst du in Bonn zwei Klausuren schreiben, eine am Ende jedes Kurssemesters. Die Inhalte entsprechen denen der Vorlesung und des Praktikums des jeweiligen Semesters, wobei der Schwerpunkt deutlich erkennbar auf dem Praktikum liegt.
Zur Vorbereitung empfiehlt sich dementsprechend auch die erneute Lektüre des Praktikumsskripts; außerdem ist hier die Fragensammlung der Fachschaft dringend angesagt: In den letzten Jahren haben sich die Biologen sehr an ihre Altfragen gehalten. Der Besuch der Vorlesung kann ebenfalls nicht schaden, zumal einige Dozenten auch gerne in ihrer Vorlesung relativ deutlich machen, welche Inhalte in ihren Augen hochgradig Klausurrelevant sind - und da die Dozenten die Klausurfragen selber stellen... nunja. Es lohnt sich, ab und an mal hinzugehen.
Für alle, die vor lauter Chemie nicht mehr wissen, wie sie nebenher auch noch Bio machen sollen, gibt es gute Neuigkeiten: Die Bioklausuren sind nicht annähernd so schwer. Einerseits beruht dies auf der starken Orientierung an Altfragen (Fragensammlung, Fragensammlung, Fragensammlung!), andererseits ist auch die Prüfung deutlich entspannter (O-Ton Prüfungsaufsicht: "Wenn's jetzt hier noch lauter wird, können wir die Klausur auch an der Tafel lösen..."). Außerdem gibt's noch eine Nachklausur am Ende der Semesterferien, die immer wieder erstaunlich viele bereits aus der Hauptklausur bekannte Fragen umfasst... Wie gesagt, Bio ist entspannt.
Gewissermaßen eine Ausnahme war die Klausur, die uns am Ende des Sommersemesters (2. Teil des Biopraktikums) vorgelegt wurde - keine einzige Altfrage, nur Stirnrunzeln bei den Schreibern. Wir waren uns (trotz Besprechung im Team) hinterher ziemlich sicher nicht besonders viele Fragen richtig beantwortet zu haben; trotzdem haben letztendlich so gut wie alle bestanden (wir wissen bis heute nicht wie), und als Nachklausur gab's die gleiche Klausur nochmal.
Literatur
Das einzige Buch was uns zu diesem Fach genannt wurde, ist der Hirsch-Kaufmann aus dem Thieme Verlag ("Biologie für Mediziner. Pharmazeuten und Chemiker"). Ich habe ihn mir nie gekauft, weil ich das Buch - und das ist noch freundlich ausgedrückt - erbärmlich fand.
Extrem schlecht geschrieben, jede Seite ist eine Folter für sich. Außerdem sind wichtige Informationen nicht von unwichtigen Details zu unterscheiden, manchmal hatte ich das Gefühl, die roten Kästen wären dazu da, das Unwichtigste hervorzuheben und vor allem zur Verwirrung der Studenten beizutragen.
Ich habe mich für meine Klausrvorbereitung daher ganz auf das Praktikumsskript und die Fragensammlung verlassen und habe beide Klausuren auf Anhieb geschafft - was natürlich keine Garantie dafür ist, dass das auch in Zukunft möglich ist. Trotzdem würde ich dir raten, es dir zweimal zu überlegen, ob du wirklich Geld in ein so schlechtes Buch investieren möchte.
Aber auch hier gilt: Die Geschmäcker sind verschieden. Schau's dir einfach mal bei Bücher James an oder leih es in der Bib aus und mach dir dein eigenes Bild.
Eine Alternative habe ich übrigens im Nachhinein auch noch gefunden: Buselmaier, Biologie für Mediziner aus dem Springer-Verlag. Ich habe selber nur kurz reingeschaut, es sah nicht schlecht aus. Ob es inhaltlich für das Bonner Biologiepraktikum geeignet ist, weiß ich nicht. Aber schlimmer als der Hirsch-Kaufmann kann es kaum sein...



